Vietnamesische Diaspora

Für alle, die sich schon immer gewundert haben, was der Name meines Blogs bedeutet: Das „vi“ steht für Vietnam. Den Rest müsst ihr nun selbst entschlüsseln.

Ob ich nun in Deutschland aufgewachsen bin oder meinen 15. Monat in Russland verbringe, ich bin immer auch Vietnamese. Dabei konnte ich Zeit meines Lebens ein beträchtliches Wissen über Vietnamesen, insbesondere die im Ausland, ansammeln. Es herrscht in Moskau das Klischee, dass ein Großteil der Vietnamesen auf Märkten mit Textilwaren handeln. Doch es gibt deutlich mehr über sie zu erzählen. Folgende Einblicke sind meiner Meinung nach grundsätzlich wissenswert (Soziologen stimmen mir hoffentlich zu!) und regen gleichzeitig dazu an, sich über globale Zusammenhänge Gedanken zu machen.

Vietnamesisches Essen über alles!
Vietnamesisches Essen über alles!

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Gedanken zur öffentlichen Sicherheit in Moskau

Lange habe ich auf diesen Tag gewartet. Es ist wieder ein sonniger Sonntagmorgen, als ich mich wie jedes Wochenende nach einem familiären Abendessen bei meinem Onkel auf den Weg nach Hause mache. Zu dieser Zeit befinde ich mich meistens auf dem Gipfel der Entspannung. Der wochentägliche Stress ist ein bisschen in die Ferne gerückt und bis zum Unialltag bleibt noch ein ganzer Tag (und eine Nacht).

Ich flaniere gut gelaunt durch den zentral gelegenen Stadtteil und erreiche in zehn Minuten die U-Bahn-Station, die im Vergleich zum vorherigen Wochenendnachmittag gerade zu leergefegt wirkt. Die Reihe an Durchlassschranken, an der die NFC-Fahrkarten kontrolliert werden, wirkt unter diesen Umständen gerade zu absurd: Man hat die Wahl zwischen einem Dutzend identisch aussehender Schranken und außerdem noch dem Häuschen des U-Bahn-Mitarbeiters, der zum Beispiel Kinder unter acht Jahren kostenfrei durchwinkt.

Wenn es in der Halle so leer ist, nimmt man die anwesenden Personen besonders achtsam wahr. Eine Reinigungskraft fegt den Boden und ein Polizist flaniert ähnlich gelassen wie ich durch den Saal. Dann aber, kurz vor der von mir auserlesenen Schranke, stellt er sich mir in den Weg, hebt in einer theatralischen Geste seine Mütze zur Begrüßung kurz an und stellt sich als eben solchen Polizisten vor. Es folgt etwas Gerauntes, das ich nicht ganz verstehe. „Gedanken zur öffentlichen Sicherheit in Moskau“ weiterlesen

Leben im Weg

Schon vier Monate ist es her, dass es mich aus dem beschaulichen Bayreuth nach Moskau verschlagen hat. Als Austauschstudent verbringe ich natürlich einen großen Teil der Zeit mit meinen – ausschließlich russischen – Kommilitonen in der Universität. Aber das heißt nicht, dass ich mich nur im studentischen Milieu bewege. Nicht, dass es da nicht schon genug für mich zu entdecken gäbe, bekomme ich noch das Eheleben eines jungen Paars, nämlich das meiner Mitbewohner, das rege Treiben der vietnamesischen Diaspora in Moskau, einen russischen Teil der großen AFS[1]-Familie und noch viele andere Teilwelten mit. Und das alles zu einem Zeitpunkt in meinem Leben, an dem ich mir immer noch nicht merken kann, wie man einen Krawattenknoten bindet!

Mit einem Wisch möchte ich an dieser Stelle die bundesweite Debatte über Bildungsungerechtigkeit kurz übergehen und aus meiner eigenen Sicht behaupten: Als Student in Deutschland hat man es erst einmal nicht so schwer im Leben. Seien es betuchte Eltern und/oder Vater Staat mit dem BaföG, vielleicht noch ein Nebenjob – schnell steht das monatliche Einkommen, um sich ein Zimmer in einer netten Stadt zu mieten, die dann mitsamt „geistreich“ verbrachter Freizeit und frei forschendem Geist für ein paar Jahre als Mittelpunkt des herrlichen Studentenlebens dient. Wichtig ist wohl auch anzuerkennen, dass es eine Tendenz meines eher geisteswissenschaftlichen Umfeldes ist, aber meine Freunde in Deutschland und ich teilen den Optimismus, dass wir im Leben noch einiges erreichen werden und dabei vor allem immer dem Glücklichsein hinterherjagen. Ja, diese Jagd ist nicht immer erfolgreich. „Leben im Weg“ weiterlesen

Reis oder Kartoffeln?

Fühle mich eher vietnamesisch oder deutsch? Wie viele unzählige Male wurde mir diese Frage schon gestellt. Ginge es bloß ums Essen, wäre es so einfach zu beantworten: Obwohl ich mich als gesunden Allesfresser sehe, könnte ich mir im Rahmen einer absurden Wette eher vorstellen, mich nur noch von Reis zu ernähren als meine Kost komplett auf Kartoffeln umzustellen. Alles klar, ein waschechter Vietnamese! Oder nicht?

Neulich bin ich auf diesen Selbsttest im Internet gestoßen: Do You Have An ASIAN or WESTERN Mindset?

Fünf schlichte Fragen, die aus dem Bauch heraus zu beantworten sind und die klären sollen, ob ich „westlich“ oder „asiatisch“ denke. In Anführungszeichen stehen diese Kategorien, weil einem als interkulturell sensibler Geisteswissenschaftlicher dabei natürlich ein bisschen die Haare zu Berge stehen (nicht, dass meine schwarzen Haare von Natur aus sowieso immer abstehen würden). Trotz der Vielfalt von Kulturen zwischen dem sogenannten „Westen“ und „Asien“ finde ich persönlich die Gegenüberstellung der von griechischer Philosophie geprägten abendländischen Welt (Westeuropa und USA) mit einem von Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus geprägten „China + Anhang“ auf der anderen Seite sehr interessant und wert, näher beschrieben zu werden.  Die Grenzen dieser beiden Kulturräume sind so verschiebbar und schwierig zu ziehen, dass es schon fast weh tut, darüber so undifferenziert zu schreiben und es damit in Form eines angreifbaren Textes fassen zu wollen. Daher höre ich an dieser Stelle damit auf und beschränke mich im Folgenden auf die anfänglichen großen Gegenpole „westlich“ und „asiatisch“, wohlwissend, dass ich damit u.a. der islamischen Welt, Frauen, der MMORPG-Computerspielerszene, … ihre eigene spezifische Kulturhaftigkeit nicht anerkenne.

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Wenn Interesse besteht, den Test zu machen, empfehle ich ihn spätestens jetzt durchzuführen und die Erklärungen zu den Fragen auf der Internetseite zu lesen. Für weitere Ausführungen empfehle außerdem ich das Buch „Geography of Thought“ von R. Nisbett (hier eine Zusammenfassung).
Im Weiteren gehe ich nun nämlich auf den Inhalt ein.
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Die Frage fünf aus dem Test.
Die Frage fünf aus dem Test.

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9. Mai

Der 9. Mai – das ist in Russland nicht bloß ein Datum, sondern eine bedeutungsvolle Formel voller historischer Erinnerungskultur und Pathos, die ihren festen Platz im nationalen Selbstverständnis Russlands hat. Der 9. Mai 1945, oder auch auf Russisch „Tag des Sieges“, der das Ende des „Großen Vaterländischen Krieges“ (nicht zu verwechseln mit dem Zweiten Weltkieg) gegen Nazi-Deutschland markiert, jährte sich vorgestern zum 70. Mal und gab damit der Regierung einen gebührenden Anlass, im Rahmen der Feierlichkeiten in Moskau die größte Militärparade aller Zeiten zu organisieren. Ich war zwar nicht ganz mittendrin, habe aber den Tag auf den Straßen der Hauptstadt verbracht und kann nicht anders, als meine Eindrücke zu teilen. Zahlen, Daten, Fakten und politische Meinungen finden sich dahingegen im Internet, wie z.B. beim HandelsblattDeutschlandfunk, oder bei der Deutschen Welle.

Plakat an einer Bushalte stelle.
Plakat an einer Bushalte stelle.
„Sieg! 70 Jahre“ – „9. Mai“

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