Du machst mich froh

Du ungeheures System.
Kaum im Ganzen zu fassen: riesig,
mit deinen Dimensionen einmalig weltweit,
mehr als dreihundert Kilometer lang
Metall, Röhren, Beton, Marmor, Elektronik –
Menschen,
die sich über- und untereinander, Kurven schlängelnd,
und in Kreuzungen überschneidend,
durch den Raum bewegen.

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Du heißt Moskowskij Metropoliten, oder einfach Metro,
bist das U-Bahn-System in Russlands Hauptstadt
und Du machst mich froh.
Ob nach Haus, oder weit weg, ob hungrig oder satt,
mit Freunden in die Stadt, ganz allein etwas einkaufen,
ins Museum, zum Konzert, oder ins komplett Ungewisse, laufen –
muss ich nur zu deinem roten M.
Es hängt an Toren, an Kuppeln, an Wänden,
ragt manchmal in die Höhe und fehlt auf keiner Karte.
Wenn ich Dich sehe, dann weiß ich, was ich erwarte.

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Von A nach Б bringst Du mich stets sicher und schnell,
bist planbar, machst die Ferne nahbar.
Der ewige Strom an Menschen, die Du vereinst,
ist so bunt, aber nicht farblich, hinschauen muss man. Mann!
Männer, Frauen, Jugendliche, Rentner, Bettler, ja, Geschäftsleute –
Du kennst schließlich keinen Stau – und zwischen ihnen Ich.
Vorbeilaufende Menschen zu grüßen gab ich schon lange auf,
aber ich kann es nicht lassen, meine Umwelt zu beobachten.
Ich sehe in Dir Menschen, die nichts miteinander zu tun haben
wollen, und doch zum selben Rhythmus tanzen.

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Sich fremde Menschen wippen zusammen, ihre Köpfe schwingen,
ihre Körper neigen sich parallel.
Mit jeder Anfahrt fährt ein Ruck durch die Reihen,
Ratsch!-, Quietsch-, Stolper-, Kipp – der Griff zum Griff rettet.
An dein Grölen muss man sich gewöhnen, metallenes Kreischen,
das die dunklen Tunnelwände zurückwerfen.
Musik in den Ohren, Liebende an der Hand, Bücher vor den Augen,
Kaugummi im Mund, Parfumdüfte in der Nase.
Du bist das Besondere im Alltag von Moskau.

Metrostation "Prospekt Mira" zur Hauptverkehrszeit
Metrostation „Prospekt Mira“ zur Hauptverkehrszeit
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