Reis oder Kartoffeln?

Fühle mich eher vietnamesisch oder deutsch? Wie viele unzählige Male wurde mir diese Frage schon gestellt. Ginge es bloß ums Essen, wäre es so einfach zu beantworten: Obwohl ich mich als gesunden Allesfresser sehe, könnte ich mir im Rahmen einer absurden Wette eher vorstellen, mich nur noch von Reis zu ernähren als meine Kost komplett auf Kartoffeln umzustellen. Alles klar, ein waschechter Vietnamese! Oder nicht?

Neulich bin ich auf diesen Selbsttest im Internet gestoßen: Do You Have An ASIAN or WESTERN Mindset?

Fünf schlichte Fragen, die aus dem Bauch heraus zu beantworten sind und die klären sollen, ob ich „westlich“ oder „asiatisch“ denke. In Anführungszeichen stehen diese Kategorien, weil einem als interkulturell sensibler Geisteswissenschaftlicher dabei natürlich ein bisschen die Haare zu Berge stehen (nicht, dass meine schwarzen Haare von Natur aus sowieso immer abstehen würden). Trotz der Vielfalt von Kulturen zwischen dem sogenannten „Westen“ und „Asien“ finde ich persönlich die Gegenüberstellung der von griechischer Philosophie geprägten abendländischen Welt (Westeuropa und USA) mit einem von Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus geprägten „China + Anhang“ auf der anderen Seite sehr interessant und wert, näher beschrieben zu werden.  Die Grenzen dieser beiden Kulturräume sind so verschiebbar und schwierig zu ziehen, dass es schon fast weh tut, darüber so undifferenziert zu schreiben und es damit in Form eines angreifbaren Textes fassen zu wollen. Daher höre ich an dieser Stelle damit auf und beschränke mich im Folgenden auf die anfänglichen großen Gegenpole „westlich“ und „asiatisch“, wohlwissend, dass ich damit u.a. der islamischen Welt, Frauen, der MMORPG-Computerspielerszene, … ihre eigene spezifische Kulturhaftigkeit nicht anerkenne.

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Wenn Interesse besteht, den Test zu machen, empfehle ich ihn spätestens jetzt durchzuführen und die Erklärungen zu den Fragen auf der Internetseite zu lesen. Für weitere Ausführungen empfehle außerdem ich das Buch „Geography of Thought“ von R. Nisbett (hier eine Zusammenfassung).
Im Weiteren gehe ich nun nämlich auf den Inhalt ein.
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Die Frage fünf aus dem Test.
Die Frage fünf aus dem Test.

Ich nehme gleich es vorweg: Bei mir hat der Test eine westliche Gesinnung ergeben. Durch „Geography of Thought“, das ich zwar noch nicht ganz gelesen habe (an dieser Stelle einen Gruß an die Person, bei der es sich befindet – Hallo!) und natürlich aufgrund meines eigenen Migrationshintergrunds, der mich unweigerlich auf dieses Thema bringt, habe ich mich schon länger etwas mit den Unterschieden zwischen westlichem und asiatischem Denken. Natürlich ging es dabei nicht nur ums Denken, sondern auch um Lebensalltag, Traditionen, Sprache, Einstellungen. Was an diesem Test auffällt, ist die Art und Weise, wie er tiefliegende Denkkonzepte in den beiden Welten auf so einfache Fragen herunterbricht, dass sich die Antwortoptionen auf „Ja“ oder „Nein“ reduzieren lassen. Kann das wirklich präzise und aussagekräftig sein?

Auf der Seite selbst liefert eine Umfrage das Ergebnis, dass nur bei 46 Prozent der Benutzer das Testergebnis mit ihrem ethnischen Hintergrund zusammenfällt. Natürlich gibt es noch andere solch besonders großartigen Grenzgänger wie mich, aber ohne je eine Statistikvorlesung besucht zu haben, glaube ich, dass bei einem Test mit zwei möglichen Ergebnissen bei dem weniger als die Hälfte (von immerhin 28 000 Testpersonen) das „richtige“ Ergebnis erhält, keine große Aussagekraft gegeben ist. Und doch fand ich ihn sehr interessant und beschloss, ihn meinem Umfeld vor die Nase zu setzen, mit gemischten Ergebnissen, die zeigen, dass man solche Fragen doch häufig nicht so eindeutig zu interpretieren sind.

Frage 1: Blumen, die entweder nach allgemeiner Optik (die meisten auffälligen, aber nicht alle Eigenschaften stimmen überein) oder einer ausnahmslos korrekten Regel (krummer Stiel) in eine Gruppe eingeordnet werden.
– „Ähm… Ich habe B gewählt, weil die Blume mit ihrem Blatt nach rechts zeigt…“
Mir persönlich sind die Stiele auch nach intensiver Suche ehrlich gesagt nicht eingefallen, sodass ich mich gar nicht entscheiden konnte/wollte.

Frage 2: Form oder Inneres? Geschenkt. Hier erkennt jeder die beiden Kriterien, wird misstraurisch und beginnt, den Test anzuzweifeln, entscheidet sich aber letztlich gerade zu zufällig.

Frage 3: Ist der Anführer groß und unten oder klein und oben? Asiatische Formensprache stellt das Wichtige groß dar – durchaus interessant. Wäre es andersherum und das große Raumschiff ganz oben, wäre es wohl sehr verwirrend.

Frage 4: Kann man alleine glücklich sein? Für mich die bezeichnendeste Frage in diesem Test. Tatsächlich betont mein Onkel zum Beispiel, dass ihm das rechte Bild (glücklicher Junge in trauriger Umgebung) überhaupt nicht gefalle, da es künstlerisch „fehlerhaft“ sei.

Frage 5: „Most relevant“ ist natürlich eine sehr offene Formulierung. Auch hier liefert mein Onkel die einmalige Erklärung: „Natürlich Panda und Affe, sie sind beide Tiere. Pandas mögen keine Bananen und Affen ja auch nicht, das weiß ich – wir hatten früher einen Affen, er aß Bananen wie jedes andere Obst und mochte Klebreis viel lieber!“

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